Seit 2011 gibt es in Prenzlauer Berg einen Laden, der sich ganz einer Süßigkeit verschrieben hat, die polarisiert wie kaum eine andere: Lakritz. Die La Kritzeria ist ein Fachgeschäft mit über 500 Sorten. Gründerin Stefanie Klein sagt: „Ich war schon als Kind Lakritzjunkie.“ Ihre Begeisterung ist geblieben – und hat heute einen festen Platz in der Erich-Weinert-Straße, zwischen Humannplatz und Prenzlauer Allee. Von Kiel nach Prenzlauer Berg Stefanie Klein wurde 1978 in Kiel geboren und ist dort auch zur Schule gegangen.

Früh kam sie mit Lakritz in Berührung: „Wir waren früher viel in Dänemark im Urlaub, und für mich war das wichtigste Regal immer das Lakritzregal im Supermarkt.“ Schon während ihres Studiums der Ernährungswissenschaften in Bonn und Köln wuchs die Idee, eines Tages ein Fachgeschäft dafür zu eröffnen. 2008 zog sie nach Berlin – mit der klaren Absicht, hier ihren Traum umzusetzen. „Es war gar nicht so leicht, eine passende Location zu finden.

Lakritz gibt es hier in Hunderten Varianten.
Lakritz gibt es hier in Hunderten Varianten.

In der Zwischenzeit habe ich gejobbt, in der Gastronomie und mit Nachhilfe, und parallel nach einem Laden gesucht.“ Schließlich eröffnete sie 2011 in der Stubbenkammerstraße ihren ersten Laden. „Das waren gerade einmal 40 Quadratmeter. Viel zu klein, und irgendwann gab es auch Streit mit der Vermieterin. Rückblickend war das aber gut, weil ich dadurch endlich den Schritt ins Größere gewagt habe.“ Heute hat die La Kritzeria 80 Quadratmeter Fläche – mit Platz für Hunderte Sorten und viele neugierige Besucherinnen und Besucher.

Thorsten – Partner privat und im Laden Viele Jahre führte Stefanie die La Kritzeria allein. 2018 wurde Thorsten ihr Partner – privat wie geschäftlich. Kennengelernt hatten sie sich schon viel früher: Beim Karneval in Köln lernte Stefanie ihren Freund Lars aus Bielefeld kennen, der sie Thorsten vorstellte. Über gemeinsame Bekannte hielten sie über die Jahre Kontakt, doch jeder ging zunächst seinen eigenen Weg. Gefunkt hat es schließlich auf Falster in Dänemark, beim 50. Geburtstag von Lars, der dort ein Ferienhaus hat. „Wir kennen uns schon so lange – und dann war es plötzlich so weit“, sagt Thorsten.

Süß, salzig, weich oder stark – die Auswahl ist groß.
Süß, salzig, weich oder stark – die Auswahl ist groß.

Seitdem unterstützt er Stefanie auch im Ladenalltag. „Das ist inzwischen so viel geworden, dass es allein gar nicht mehr zu schaffen ist“, sagt Stefanie. Heute gehört auch Thorsten fest zum Bild der La Kritzeria. Was ist Lakritz? Lakritz wird aus den Wurzeln des Süßholzstrauchs gewonnen. „Die Wurzeln werden extrahiert, und daraus entsteht der Lakritzextrakt“, erklärt Stefanie. „Früher war Lakritz Medizin, vor allem gegen Husten. Ende des 18. Jahrhunderts entstand in England die Süßigkeit, weil einem Apotheker Zucker in den Hustensaft geraten war.“ Der Geschmack polarisiert.

„Das, was man heute im Supermarkt bekommt, hat mit echtem Lakritz wenig zu tun“, sagt Stefanie. „Da ist fast kein Extrakt drin, dafür viel Zucker, Aromen und Farbe.“ Ganz anders in Skandinavien, wo Lakritz zur Esskultur gehört: mal süß, mal salzig, kombiniert mit Schokolade, Honig, Kräutern oder Anis. Auch Getränke gehören längst dazu. „Wir haben viele Lakritzliköre im Sortiment. Früher standen fünf Flaschen im Regal, heute haben wir dafür einen eigenen Schrank.“ Neben süßen Varianten finden sich kräftige Spirituosen auf Basis von Whisky, Grappa oder Kaffee.

Ein Blick in die Regale des Fachgeschäfts.
Ein Blick in die Regale des Fachgeschäfts.

Probieren erwünscht Eine Besonderheit der La Kritzeria: Hier darf probiert werden. „Ich frage meist: süß oder salzig? Und dann biete ich Kostproben an“, berichtet Stefanie. „So findet jeder etwas.“ Thorsten ergänzt: „98 Prozent der Leute, die hereinkommen, kaufen auch. Weil die Auswahl so groß ist, findet jeder etwas Passendes.“ Eine Episode erzählt Stefanie besonders gern: „Eine Kundin wollte einen Adventskalender für ihren Mann kaufen, hasste selbst aber Lakritz. Ich habe ihr eine Schoko-Lakritzkugel zum Probieren gegeben.

Eine Woche später kam sie zurück und wollte noch einen Kalender – sie hatte alles selbst aufgegessen.“ Adventskalender mit Tradition Seit 13 Jahren gibt es in der La Kritzeria selbstgemachte Adventskalender: schwarze Tütchen, gefüllt mit 24 Überraschungen. „Es gibt verschiedene Varianten: nur süß, nur salzig, gemischt – und auch in vegan“, sagt Stefanie. Dazu kommen fertige Kalender von Herstellern wie Lakrids by Bülow. Gerade in der Vorweihnachtszeit ist die Nachfrage groß. Stammkunden bestellen regelmäßig auch aus anderen Teilen Deutschlands, oft einfach per E-Mail mit Foto ihrer Lieblingssorten.

Auch ausgefallene Lakritzprodukte gehören zum Sortiment.
Auch ausgefallene Lakritzprodukte gehören zum Sortiment.

„Vor allem in Süddeutschland gibt es kaum Auswahl, da verschicken wir viel“, erzählt Thorsten. Ein Onlineshop ist im Aufbau. „Wir haben über 500 Produkte, jedes muss mit Inhaltsstoffen, Herkunft und Herstellerangaben eingetragen werden. Das dauert. Aber wir planen, im Frühjahr online zu gehen.“ Leben in Prenzlauer Berg Stefanie und Thorsten fühlen sich in Prenzlauer Berg sehr wohl. Besonders schätzen sie die Vielfalt an Restaurants: „Hier gibt es einfach alles – sogar Unterschiede zwischen nordindischer und südindischer Küche“, sagt Stefanie. Auch das internationale Flair begeistert sie.

„Ich finde dieses Sprachengewirr toll: Italienisch, Spanisch, Englisch, Französisch – alles direkt vor der Haustür.“ Lieblingsort bleibt für beide der Mauerpark mit Flohmarkt, Begegnungen und Musik. Im Alltag haben sie eine klare Entscheidung getroffen: kein Auto, kein Fahrrad. „Wir laufen lieber“, sagt Stefanie. „Ich bin im Straßenverkehr zu unsicher – und nachdem mir dreimal hintereinander das Rad gestohlen wurde, habe ich endgültig aufgehört.“ Thorsten ergänzt: „Eigentlich braucht man hier auch keins.

Die La Kritzeria in der Erich-Weinert-Straße.
Die La Kritzeria in der Erich-Weinert-Straße.

Alles ist fußläufig.“ Wenn es raus aus der Stadt geht, zieht es Stefanie regelmäßig in ihre Heimat nach Kiel, zu Eltern und Bruder. „Die Ostsee ist mein Ausgleich“, schwärmt sie. Und wenn mehr Zeit bleibt, steigen beide ins Wohnmobil und fahren los. Kinder haben sie keine. „Der Laden ist unser Kind“, findet Thorsten. Kunden aus aller Welt Die Kundschaft ist bunt gemischt. Viele kommen aus der Nachbarschaft, andere reisen von weiter her. „Wir haben Stammkunden aus München oder Stuttgart, die regelmäßig bestellen, weil es dort fast nichts gibt“, so Thorsten.

Besonders groß ist die Zahl der skandinavischen Kunden: „Für viele ist Lakritz ein Stück Heimat.“ Auch Touristen finden den Weg in die La Kritzeria. „Gegenüber liegt ein Hotel, die Gäste googeln, was es in der Nähe gibt – und stehen dann plötzlich bei uns im Laden.“ Manche schicken später sogar Fotos und Bestellungen aus der Ferne, um Nachschub zu bekommen. Süß, salzig, überraschend Die La Kritzeria zeigt, wie vielfältig Lakritz sein kann: von reinen Extrakten über Schokolade bis zu Likören. Wer unsicher ist, darf probieren – und wird oft überzeugt. „Irgendwas findet man immer“, sagt Stefanie.

Probieren und persönliche Beratung gehören dazu.
Probieren und persönliche Beratung gehören dazu.

„Lakritz ist vielfältiger, als die meisten denken.“ Thorsten ergänzt: „Am Ende geht es darum, die Freude zu teilen. Lakritz polarisiert, aber genau das macht es spannend.“