Sonja Mehling, genannt Sonne, und Jana von Mond waren einst die besten Freundinnen – nun sind sie sich so fern und fremd wie ihre Namensgeber am Himmel. Nach einem schweren, unverzeihlichen Verrat treffen sie Jahre später wieder aufeinander, als Jana, eine prominente TV-Comedienne, Sonne, die in Prenzlauer Berg ein alternatives Bestattungsunternehmen betreibt, mit der Beerdigung ihres Mannes betraut, der mit seiner Geliebten in einem Auto über eine Klippe gerast ist.

Alte Wunden reißen auf, neue Schmerzen kommen hinzu und Sonnes leiser Wunsch nach Rache bahnt sich ausgerechnet auf dem Friedhof seinen Weg – mit fatalen Folgen. – Was furchtbar dramatisch klingt, ist vor allem auch furchtbar komisch. Chris Kraus erzählt mit feinem Humor und großer Warmherzigkeit von Ängsten und Zweifeln, von Eifersucht und Schmerz. Und wenn einen die beiden Hauptfiguren in ihrer kompromisslosen Unverzeihlichkeit hin und wieder befremden, so schmeicheln sich einem die liebenswerten Nebenfiguren, allen voran Sonjas neunmalkluger Sohn Nicky, unweigerlich ins Herz.

Ein Roman voller absurder Wendungen und mit skurrilen Nebenhandlungen, der Tragik und Komik mit großer Leichtigkeit verbindet. Chris Kraus: Die Sonne und die Mond. Diogenes 2025, 608 Seiten, 25,– €