Die Kinder sind ausgezogen, der Partner ist gestorben, zwei Zimmer stehen leer und die Treppen in den vierten Stock werden jedes Jahr höher. Eigentlich wäre jetzt der richtige Zeitpunkt für eine kleinere Wohnung – mit Aufzug, Dusche statt Badewanne und wenigen Schwellen. Doch viele ältere Menschen erleben einen Widerspruch: Ihre große Wohnung ist zu groß, die kleine aber zu teuer. Sie könnten Platz sparen, nur kein Geld. Also bleiben sie – nicht unbedingt freiwillig, sondern weil sie sich einen Umzug nicht leisten können.

Der günstige Mietvertrag wird zur Falle

Viele ältere Wilmersdorfer leben seit Jahrzehnten in derselben Wohnung. Ihre Miete liegt häufig deutlich unter dem, was bei einer Neuvermietung verlangt wird. Wer auszieht, gibt deshalb nicht nur Quadratmeter ab, sondern auch einen günstigen Vertrag. So kann eine große Altbauwohnung mit vier Zimmern weniger kosten als eine neu vermietete Zweizimmerwohnung. Besonders teuer sind oft kleine, modernisierte und barrierearme Wohnungen – genau jene, die ältere Menschen benötigen. Hinzu kommen Kaution, Umzug, Renovierung und vielleicht eine neue Küche. Der Keller muss ausgeräumt werden, Möbel passen nicht mehr. Nach Jahrzehnten geht es dabei nicht nur um Schränke und Geschirr, sondern um Erinnerungen – um ein ganzes Leben, das auf weniger Quadratmeter passen soll.

Zwei Seiten, die nicht zusammenfinden

Familien suchen verzweifelt nach größeren Wohnungen. Gleichzeitig leben ältere Menschen auf viel Fläche, die sie teilweise gern abgeben würden. Doch der Wohnungsmarkt verhindert, dass beide Seiten zusammenfinden. Die Familie kann sich die große Wohnung bei einer Neuvermietung nicht leisten – für den älteren Menschen ist die kleinere häufig teurer als die bisherige. Beide Seiten suchen, was die jeweils andere abgeben möchte. Trotzdem kommt der Tausch nicht zustande. Daraus darf kein Vorwurf an ältere Mieter entstehen. Niemand muss seine Wohnung räumen, weil eine Familie mehr Platz braucht. Entscheidend ist die Freiwilligkeit: Wer bleiben möchte, soll bleiben können. Wer sich verkleinern will, darf dafür nicht mit höherer Miete bestraft werden.

Zuhause ist mehr als eine Wohnung

Marion Halten-Bartels kennt Charlottenburg-Wilmersdorf seit mehr als 70 Jahren. Die langjährige Vorsitzende der bezirklichen Seniorenvertretung hat erlebt, wie sich ganze Straßenzüge verändert haben. Wo früher Lebensmittelgeschäft, Bäcker oder Fleischerei waren, gibt es heute häufig Restaurants, Büros oder Geschäfte, die für den täglichen Bedarf älterer Menschen kaum eine Rolle spielen. Gerade im Alter gehört der Kiez zum Zuhause. Wer lange in Wilmersdorf lebt, kennt Hausarzt, Apotheke und kurze Wege. Man weiß, welche Busverbindung funktioniert, wo eine Bank zum Ausruhen steht und welcher Nachbar im Notfall einen Schlüssel besitzt. Man wird im Laden erkannt und trifft bekannte Gesichter. Dieses Netz steht in keinem Mietvertrag, ist aber oft genauso wichtig wie die Wohnung.

Ein Umzug in einen anderen Teil Berlins kann bedeuten, nicht nur die vertrauten vier Wände, sondern das bisherige Leben zurückzulassen. Eine neue Wohnung mag barrierefrei sein – ein fremder Stadtteil ist es noch lange nicht. Deshalb lohnt es sich, früh nach einer kleineren Wohnung im eigenen Umfeld zu suchen. Wer erst beginnt, wenn die Treppen nicht mehr zu bewältigen sind oder Hilfe nötig wird, hat kaum Zeit, auf das passende Angebot zu warten. Viele Angebote, aber keine Garantie Charlottenburg-Wilmersdorf verfügt über viele spezielle Seniorenwohnungen. Die Wilmersdorfer Seniorenstiftung verwaltet vier eigene Wohnhäuser mit 375 Wohnungen und im Auftrag des Bezirksamtes elf weitere Seniorenwohnhäuser mit insgesamt 894 Wohnungen. Die Wohnungen werden an Menschen ab 60 Jahren vermietet und sollen sozialverträglich und barrierearm oder teilweise barrierefrei sein.

Häuser liegen etwa in der Johannisberger Straße, Herthastraße, am Gierkeplatz, in der Cunostraße und Auguste-Viktoria-Straße. Weitere Angebote sind das Werner-Bockelmann-Haus an der Bundesallee mit 140 Ein- und Zweizimmerwohnungen und das Seniorenwohnhaus Marianne Hapig am Bundesplatz mit 45 Wohnungen, Garten und aktiver Hausgemeinschaft. In der Cunostraße gibt es zudem 80 Eineinhalb- und Zweizimmerwohnungen mit Fahrstuhl, Balkon oder Terrasse und Gemeinschaftsraum. Eine Garantie auf eine sofort verfügbare Wohnung ist das nicht. Doch Wilmersdorf besitzt damit eine gute Grundlage. Wer sich rechtzeitig informiert, mehrere Häuser anspricht und bei der Lage beweglich bleibt, verbessert seine Chancen. Kleiner kann auch leichter bedeuten Der Abschied von einer langjährigen Wohnung fällt selten leicht. Doch kleiner muss nicht nur Verlust bedeuten.

Weniger Räume müssen gereinigt und beheizt werden. Ein Aufzug erleichtert Einkäufe, eine Dusche senkt die Sturzgefahr. Gemeinschaftsräume oder eine aktive Hausgemeinschaft können neue Kontakte ermöglichen. Ein freiwilliger Umzug kann Freiheit schaffen. Wer sich früh entscheidet, kann auswählen, was mitkommt, und den Wechsel in Ruhe organisieren. Wer bis zu einem Krankenhausaufenthalt oder einer plötzlichen Pflegebedürftigkeit wartet, muss womöglich binnen weniger Wochen eine Lösung akzeptieren, die nicht zu ihm passt. Deshalb ist es sinnvoll, über die nächste Wohnung nachzudenken, solange man in der bisherigen noch gut zurechtkommt – um die Entscheidung selbst in der Hand zu behalten. Barrierearm ist nicht immer barrierefrei Niemand sollte eine Wohnung allein deshalb anmieten, weil sie als „seniorengerecht“ beschrieben wird. Der Begriff ist rechtlich nicht eindeutig festgelegt.

Eine barrierearme Wohnung kann trotzdem eine Badewanne, schmale Türen oder eine Stufe am Eingang besitzen. Vor einer Entscheidung sollte man genau hinsehen: Ist der Zugang stufenlos? Passt ein Rollator oder Rollstuhl in den Aufzug? Gibt es eine Dusche? Sind Supermarkt, Ärzte und Busse zu Fuß erreichbar? Gibt es eine Ansprechperson, und welche zusätzlichen Kosten entstehen? Auch die neue Miete sollte vollständig berechnet werden – einschließlich Betriebskosten, Betreuungspauschalen und weiterer Dienstleistungen. Eine schöne Wohnung hilft wenig, wenn sie später nicht mehr bezahlbar ist. Umziehen oder doch bleiben? Nicht immer ist ein Umzug die beste Lösung. Manchmal lässt sich die Wohnung anpassen: durch bodengleiche Dusche, Haltegriffe, bessere Beleuchtung oder entfernte Türschwellen. Bei anerkanntem Pflegegrad kann die Pflegekasse solche Maßnahmen bezuschussen.

Ein fehlender Aufzug lässt sich im Wilmersdorfer Altbau nicht so einfach ersetzen. Auch breite Türen oder ein stufenloser Eingang sind nachträglich nicht überall möglich. Deshalb sollte geprüft werden, ob die Wohnung auch in einigen Jahren noch zum eigenen Leben passt. Die Entscheidung lautet also nicht automatisch: bleiben oder gehen? Manchmal ist ein Umbau richtig, manchmal ein Wohnungstausch oder der Wechsel in ein Seniorenwohnhaus. Wichtig ist, die Möglichkeiten zu kennen und nicht erst in einer akuten Notsituation zu suchen. Mehr Hilfe, weniger Hürden Eine Internetseite mit Wohnungsangeboten allein reicht nicht. Wer Jahrzehnte in derselben Wohnung verbracht hat, braucht möglicherweise praktische Hilfe: bei Suche, Sortieren und Entrümpeln, Gesprächen mit dem Vermieter und beim Umzug. Auch Politik und Wohnungsunternehmen sind gefragt.

Es müsste gelten: Wer freiwillig eine große Wohnung freigibt, darf für eine kleinere nicht mehr bezahlen. Ein übertragbarer Mietpreis, eine Umzugsprämie oder übernommene Renovierungskosten könnten helfen. Charlottenburg-Wilmersdorf verfügt über zahlreiche Seniorenwohnungen und erfahrene Beratungsstellen. Nun müssen die Angebote leichter auffindbar, bezahlbar und bei Bedarf verfügbar sein. Denn wer im Alter umzieht, gibt nicht nur Quadratmeter ab. Er sortiert sein Leben neu. Das braucht Mut – kann aber der Beginn eines leichteren, sichereren und selbstbestimmteren Lebens sein. ■ Weitere Informationen Rat und Hilfe Pflegestützpunkt Bundesallee Bundesallee 50 Telefon: 030 89312 31, wilmersdorf@pspberlin.de