Jaja, ich weiß, eigentlich muss es „Leben wie Gott in Frankreich“ heißen. Aber zum einen sind wir nicht in Frankreich, sondern in Berlin. Und zum anderen gibt es ja wohl immer noch einen Unterschied zwischen Gott und einem Hohenzollern. Gott hatte nämlich in Deutschland nix zu sagen, durfte den Hohenzollern-Kaisern aber gelegentlich soufflieren. Behaupteten diese jedenfalls. Dann kam 1918 die Novemberrevolution, und das gemeine Volk nahm der Kaiserfamilie alles weg. Man konnte sich gerade mal eben bei Nacht und Nebel und einem eigenen Prachtzug voller Kunstschätze nach Holland retten.
Na und, werden viele denken, warum diese alten Lamellen? Weil wir in historischen Zeiten leben: Gerade wurde ein über 100-jähriger Streit zwischen der ehemaligen Regentenfamilie und dem deutschen Staat außergerichtlich beigelegt, in dem es unter anderem um Berliner Schlösser und Kunstschätze ging. Freude auf allen Seiten, außer vielleicht bei der Ex-Kaiserfamilie, der das gemeine Volk nun schon wieder fast alles abnahm. Wie konnte es so weit kommen? Und wie kommt man überhaupt in den Stand des Hochadels?
Ursprünglich war das harte Arbeit: In grauer Vorzeit musste man besonders kräftig sein und allen Widersachern eine aufs Maul geben – das wurde erstaunlicherweise als „edel“ gewertet. Aus den Edlen wurde dann der Adel. Leben wie ein Hohenzollern in Deutschland! Später reichte es, adelig geboren zu werden, und so die Lorbeeren für etwas zu ernten, mit dem man nix zu tun gehabt hatte. Dann musste man sich nur noch geschickt verheiraten und „hex, hex“ (wie es bei Bibi Blocksberg heißt), war man König oder sogar Kaiser. Das also war die Kunst des adeligen Aufstiegs: Geschickt hochgefickt!
Lende um Lende musste man sich Ländereien „anvögeln“, bis einem fast alles gehört – nur um es dann von einer „Bande von Schuften“ (Ex-Kaiser Wilhelm über das deutsche Volk) wieder weggenommen zu bekommen. Das Mitleid kann sich in Grenzen halten, denn die Familie ist immer noch sehr reich. Muss sie aber auch sein, denn das Leben als Prinz oder Prinzessin bringt jede Menge Verantwortung mit sich. Man muss vornehm sein oder mindestens so tun. Man muss sich im „noblen Nichtstun“ üben, das aber möglichst als Vorstand einer Stiftung.
Man kann allerdings auch eine Brauerei leiten, wie der gegenwärtige Sprecher der Familie, der von seinen Angestellten mit „königliche Hoheit“ angeredet werden soll. Auch ich versuchte einst, mich von meinem Umfeld als „königliche Hoheit“ anreden zu lassen, erntete aber nur höhnisches Gelächter … Höhnisches Gelächter wiederum ernteten die Hohenzollern, als der Enkel des letzten Kaisers, Louis Ferdinand, 1989 nach dem Fall der Mauer erklärte, er stünde wieder als Monarch bereit, und es ginge ihm überhaupt nicht ums Geld oder um Ländereien.

Dummerweise verschmähte das deutsche Volk, also diese „Bande von Schuften“, die huldvoll gereichte Hand, woraufhin es den Hohenzollern dann doch ums Geld und um Ländereien ging: Sie verklagten den deutschen Staat auf Herausgabe von Kunstwerken im Wert mehrerer Hundert Millionen und wollten obendrein wieder ins für 10 Millionen Euro frisch renovierte Schloss Cecilienhof bei Potsdam einziehen. Ein schwieriger Prozess drohte, den die Hohenzollern leicht hätten verlieren können.
Denn es gibt die sogenannte Unwürdigkeitsklausel, welche verhindern soll, dass Naziunterstützer und deren Erben für nach 1945 enteigneten Besitz entschädigt werden. Das, ließen einige aus der Dynastie verlauten, wäre auf sie nicht anwendbar – sie wären schließlich „im Widerstand“ gewesen. Was zutraf – es handelte sich aber dummerweise um Widerstand gegen die Demokratie, denn der Clan unterstützte Hitler freudig und wirkungsvoll.
Unter der Ampelregierung wurde der nun veröffentlichte Vergleich ausgehandelt: Eine Stiftung unter Beteiligung der Hohenzollern soll einen Großteil der strittigen Schätze verwalten und öffentlich ausstellen. Ein paar Preziosen werden der Familie übergeben. Der neue Kulturstaatsminister erntete huldvoll die Lorbeeren für den Deal, obwohl er nix damit zu tun gehabt hatte: Leben wie ein Hohenzollern in Deutschland!
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