Wer den Akazienkiez kennt, kennt auch diesen Laden, in dem man eigentlich nur „kurz gucken“ wollte – und eine halbe Stunde noch immer stöbert und das Notizbuch in den Händen hält, weil es sich so gut anfühlt. Das Papierhaus gehört zu diesen Orten, die man erlebt. Seit 30 Jahren ist es fester Bestandteil der Nachbarschaft, gegründet von Felix Verspohl, heute geführt von dessen Tochter Aina – und damit einer jener selten gewordenen Orte, an denen Tradition und Gegenwart in einem herzlichen Familienbetrieb zusammenfinden.
Nachhaltiger und hochwertiger Bürobedarf Als Felix Verspohl den Laden damals als „Papeterie für Umweltbewusste“ eröffnete, verkaufte er vor allem Recyclingpapiere und nachhaltigen Bürobedarf. Das war lange, bevor Nachhaltigkeit ein Trend wurde. Manche Ideen mussten sich wirtschaftlichen Realitäten beugen, vieles hat sich weiterentwickelt – aber der Grundsatz ist geblieben: Was es in ökologisch sinnvoller Variante gibt, wird im Papierhaus auch angeboten.
Heute reicht das Sortiment von hochwertigen Notizbüchern und Kalendern über Schreibgeräte, Alben, Tinten und handgeschöpfte Papiere bis hin zu Produkten kleiner Manufakturen – darunter Grußkarten, Klemmbretter, magnetische Boxen und liebevoll gestaltete Einzelstücke lokaler Künstlerinnen und Künstler. Das Papierhaus ist ein kleiner Kosmos aus Materialien, Geschichten, Farben und Strukturen. Viele Kundinnen und Kunden reisen gezielt wegen der enormen Auswahl an Gruß- und Postkarten an. „Für jeden Anlass etwas“, sagt Aina – und genau das ist hier nicht bloß eine Floskel.

Eine ganze Wand nur für Alben, Füllfederhalter in allen Varianten, Tinten in über hundert Farbtönen, edle Papiere, japanische Schreibkultur und jedes Jahr im Herbst der Startschuss für die heißbegehrten Herrnhuter Sterne. Diese Sortimentsvielfalt sucht nicht nur in Schöneberg, sondern vermutlich sogar berlinweit ihresgleichen. Ein Jahr voller neuer Entscheidungen Aina Verspohl arbeitet seit 15 Jahren im Papierhaus. Seit einem Jahr trägt sie die Verantwortung allein – ein Schritt, der größer war, als er von außen aussieht.
Nicht wegen familiärer Reibungen, sondern wegen der schieren Arbeitslast: neue Verträge, neue Anmeldungen, Hunderte Lieferanten, die informiert werden müssen. „Wir hätten beide nicht gedacht, wie viel Papierkram hinter einem Papierladen steckt“, sagt sie lachend. Ihr Vater Felix ist nicht aus der Welt. Er ist da, wenn man ihn braucht, und manchmal ruft Aina ihn einfach an, um eine Entscheidung abzufedern. „Wir haben uns ohne Worte verstanden“, erzählt sie. „Jetzt allein zu entscheiden, fühlt sich anders an.“ Gleichzeitig ist es eine Chance: ein vertrauter Ort, den sie mit ihrem eigenen Stil weiterführen kann.

Acht Personen arbeiten inzwischen im Papierhaus – ein Team, das sich über Jahre gefunden hat und von dem einige bereits ein Jahrzehnt oder länger dabei sind. Wer hier arbeitet, kennt das Sortiment, die Kundschaft und den Kiez. In der Weihnachtszeit, wenn der Laden leuchtet und glitzert, stehen zwei Personen hinter dem Tresen, zwei im Laden, zwei verpacken Geschenke – und alle sind gleichzeitig in Bewegung. „Das ist die wichtigste Zeit des Jahres für uns“, sagt Aina.
„Wir krempeln die Ärmel hoch und freuen uns wirklich auf den ganzen Trubel.“ Willkommen ist jede Person Aina ist wichtig, dass sich jeder Mensch willkommen fühlt. Das Papierhaus ist barrierefrei, und sie betont, wie dankbar sie für die vielen langjährigen Stammkundinnen und Stammkunden ist, die den Laden seit Jahrzehnten begleiten. Hier kommt man nicht nur, um etwas zu kaufen. Viele stöbern eine halbe Stunde, finden ein Geschenk, das sie nicht gesucht haben, oder lassen sich fachkundig beraten, bis das Richtige gefunden ist.

Und selbst wer nur ein einzelnes Kreuzgummi für 15 Cent braucht, bekommt hier dieselbe Aufmerksamkeit. Ein Leben zwischen Laden und zu Hause Aina ist erst vor kurzem nach Schöneberg gezogen. Zuvor lebte sie zehn Jahre am Hermannplatz, dann fand sie – wie so viele im Kiez – eine Wohnung über Kontakte aus dem Laden. Jetzt liegen Wohnung und Papierhaus nur ein paar Minuten auseinander: schön bequem, manchmal aber auch „sehr nah“, wie sie sagt, wenn man am Sonntag in der Bäckerei wieder bekannte Gesichter trifft.
Privat verbringt sie ihre freie Zeit am liebsten mit Freundinnen und Freunden – viele davon ebenfalls Ladeninhaberinnen oder Händler aus der Nachbarschaft. Akazienbuchhandlung, Schmuckatelier, Restaurants, Cafés: Man kennt sich, man unterstützt sich, man redet täglich. Und wenn sie nicht im Kiez ist, zieht es sie zurück nach Kreuzberg oder in ihren Garten am Tempelhofer Feld, wo sie Gemüse anbaut, Vögel beobachtet und Hochbeete baut. Ein Ort, an dem Papier mehr ist als Material Was das Papierhaus besonders macht, ist das Gefühl, dass hier alles mit Aufmerksamkeit passiert.

Menschen greifen trotz digitaler Kalender wieder zu Papier. Kundinnen suchen Fotoalben, weil Haptik und Erinnerung zusammengehören. Karten werden ausgelegt, die man in der Form nirgendwo sonst findet. Die Auswahl bleibt immer ein Zusammenspiel aus Qualität, Nachhaltigkeit, Sinn fürs Besondere und Liebe zum Kiez. Am Ende ist das Papierhaus ein Ort, an dem Menschen sich Zeit nehmen, und der zeigt, wie lebendig ein Kiez sein kann, wenn Tradition und neue Ideen nebeneinander bestehen.
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