Kann denn Liebe Sünde sein, Ich brech’ die Herzen der stolzesten Frau’n, Wir wollen niemals auseinandergeh’n …
Evergreens wie diese stammen aus der Feder von Bruno Balz, über den in den letzten Jahren einiges geschrieben wurde: Ein gebürtiger Berliner, der schnell zu den begehrtesten Liedtextern des jungen Tonfilms avancierte, der wegen Vergehens gegen den §175 mehrfach von den Nazis verhaftet wurde, nach Tagen der Folter noch im Gefängnis mit Ich weiß, es wird einmal ein Wunder gescheh’n sein wohl bekanntestes Lied geschrieben hat, der bis Kriegsende im Deutschen Reich weiterarbeitete, der verfügte, dass nach seinem Tod zehn Jahre lang nicht über ihn gesprochen wird ...
Die Sozialwissenschaftlerin Judith Kessler ist bei ihren Recherchen schnell über zahlreiche Ungereimtheiten in Balz’ kolportierter Biografie gestolpert: Nebelkerzen, ausgeschmückte Anekdoten, Vermutungen, die ungeprüft zu Fakten gemacht wurden. Und so scheint Balz’ Leben vielleicht ein wenig weniger dramatisch verlaufen zu sein, als bislang angenommen, das macht die Lektüre dieser biografischen Spurensuche aber umso interessanter. Judith Kessler: Kann denn Liebe Sünde sein? Auf den Spuren des Liedtexters Bruno Balz. Nicolai Verlag 2026, 200 Seiten, 24,– €
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